Die Idee der Wohnstraße kam ursprünglich aus den Niederlanden. In den 1970ern war dort die Idee der „Woonerf“ (wörtlich „Wohnhof“) entstanden, in der die Bedürfnisse der Autofahrer den Bedürfnissen der gesamten Straßennutzer untergeordnet sind.


Foto © Fratz Graz

Wohnstraße – was ist denn das?

Das Wohnen und Leben soll in den „Woonerfs“ den Vorrang vor dem Straßenverkehr haben. Daher gehören neben Geschwindigkeitsbegrenzungen und baulichen Tempobremsen, auch Grünflächen, Bäume und Sitzgelegenheiten zu den Gestaltungselementen.

In Österreich wurde 1983 die Wohnstraße in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen und als „eine für den Fußgänger- und beschränkten Fahrzeugverkehr gemeinsam bestimmte und als solche gekennzeichnete Straße“ definiert. Gekennzeichnet sind Wohnstraßen mit einem blauen, rechteckigen Verkehrsschild, auf dem ein Fußgänger, ein spielendes Kind, ein Haus und ein Auto zu sehen sind.

Schon das Verkehrszeichen deutet es an: „Die Wohnstraße ist zum Spielen da!“ Hier stehen die Menschen im Mittelpunkt und nicht die Maschinen.

Hier sind die genauen Vorschriften, die in einer Wohnstraße gelten:

  • Es darf maximal Schrittgeschwindigkeit gefahren werden (5 km/h).
  • Die Fahrbahn darf betreten werden, Kinder dürfen dort spielen.
  • Fahrzeugverkehr ist in Wohnstraßen verboten, mit Ausnahme des Zu- und Abfahrens, des Straßendienstes und der Müllabfuhr, des öffentlichen Sicherheitsdienstes, der Feuerwehr und des Fahrradverkehrs.
  • Radfahrer dürfen in Wohnstraßen gegen die Einbahn und nebeneinander fahren.
  • Geparkt darf nur an den dafür gekennzeichneten Stellen werden.
  • Beim Ausfahren aus der Wohnstraße hat der Fließverkehr außerhalb der Wohnstraße Vorrang.

In einer Wohnstraße ist vieles machbar

Wir haben alle eingelernte Muster, was man auf Straßen darf und was nicht, wie z.B. nur am Gehsteig zu gehen. In Wohnstraßen ist das aber gar nicht notwendig. Da ja laut Straßenverkehrsordnung das Betreten der Fahrbahn und das Spielen ja ausdrücklich erlaubt sind.

Das beutet:
Auch Schachspielen und Räder schlagen, Plaudern und Spazierengehen, Fahrrad und Roller fahren, im Klappsessel sitzen und Kaffee mit den Nachbar*Innen trinken, Spielen und Turnen und die Wohnstraße als Schul-Pausenhof nutzen ist gestattet.

In den letzten Wochen und Monaten haben wir das eine oder andere davon ausprobiert, Erfahrungen gesammelt und das Wohnstraßenspielbuch mit Tipps, wie man Wohnstraßen beleben kann herausgebracht.
Das reicht von "Himmel und Hölle", dass man mit Straßenkreide aufmalt, über das Ausrollen eines Rasenteppichs bis hin zum selbstgemachtem Hollersaft für´s Straßenpicknick.

Mit unseren Aktionen und dem neuen Spielebuch wollen wir die Wohnstraße wieder ins Bewusstsein holen und zeigen, was eigentlich alles möglich und erlaubt ist!

Das Wohnstraßen-Spielebuch ist bei Fratz Graz erhältlich.

Wenn auch ihr eure Wohnstraße wachküssen wollt oder aus eurer Straße eine Wohnstraße machen möchtet, können wir euch gerne dabei beraten und mit Ideen unterstützen!

Kontakt:

Ernst Muhr
Fratz Graz
Werkstatt für Spiel(t)räume
Karmeliterplatz 2, 8010 Graz
Tel.: 0316 90 370 150
Email.: ernst.muhr@fratz-graz.at
Web: www.fratz-graz.at

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Über die Autorin/den Autor:

Ernst Muhr

 

Ernst ist bei Fratz Graz als Geschäftsführer und Projektleiter tätig. Er ist ein begeisterter Impulsgeber und erfahrener Projektentwickler. Er hat viele Projekte, die sich mit Draußen Spielen und Spielräumen beschäftigen, initiiert und entwickelt, wie z.B. Spielraumwerkstätten, Hosentaschenspielebücher oder Kinderfreizeitkarten.

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