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Juni 30, 2025
Interview „Klimaschutz auf lokaler Ebene“ für UNICEF
September 15, 2025Im August 2025 sorgte der Der Standard-Artikel „Wie KI unsere Denkfähigkeit untergräbt“ von Adrian Lobe für Diskussionsstoff. Auslöser war ein mehrstündiger Ausfall von ChatGPT – und die bemerkenswerte Reaktion vieler Nutzer*innen: Unsicherheit, Panik, ja sogar die Frage, wie man ohne den digitalen Assistenten noch E-Mails schreiben oder sich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten könne.
Lobe stellte die Frage, ob wir durch unsere Abhängigkeit von KI-Systemen das eigenständige Denken verlernen. Studien von Microsoft, der Carnegie Mellon University und dem MIT deuten tatsächlich darauf hin, dass übermäßige KI-Nutzung kognitive Fähigkeiten wie kritisches Denken, Problemlösekompetenz und Gedächtnisleistung schwächen kann. Besonders in Bildungskontexten könnte das fatale Folgen haben:
- MIT Media Lab – Your Brain on ChatGPT: Accumulation of Cognitive Debt when Using an AI Assistant for Essay Writing Task (Juni 2025): EEG-Messungen zeigen, dass beim Schreiben mit ChatGPT weniger Hirnareale für Sprachverarbeitung und Kreativität aktiviert werden. Gleichzeitig sank die Merkfähigkeit der Teilnehmer*innen. (arxiv.org, Time-Artikel)
- Microsoft & Carnegie Mellon University – Overreliance on AI and Decline of Critical Thinking (Februar 2025): Wissensarbeiter, die stark auf KI vertrauten, hinterfragten Ergebnisse seltener und entwickelten geringere Problemlösekompetenzen. (Microsoft-Studie, Futurezone)
„Wie soll ich etwas nutzen, was ich nicht gelernt habe zu nutzen?“
In einem Leserbrief reagierte Thomas Plautz, Geschäftsführer des Kinderbüros – Die Lobby für Menschen bis 14 – auf Lobe. Seine zentrale Botschaft: Die Gefahr liegt nicht allein in der Existenz von KI, sondern in der fehlenden Grundbildung im Umgang mit ihr.
Plautz erinnert daran, dass der Verlust eigener Fähigkeiten kein neues Phänomen ist – schon Handys, Navigationssysteme oder Suchmaschinen haben unsere Merk- und Orientierungsfähigkeiten verändert. Der eigentliche Knackpunkt liege jedoch darin, dass wir uns einbilden, wir könnten im Notfall einfach „den eigenen Denkapparat wieder einschalten“, ohne ihn vorher trainiert zu haben.
Sein Plädoyer: Bildung müsse gezielt die sogenannten 4Cs – Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und Kritisches Denken – fördern. Nur so könnten zukünftige Generationen trotz (oder gerade mit) Digitalisierung unabhängig und selbstbestimmt leben.
Der Leserbrief, der am 6.8.2025 auch an die Landtagsclubs versendet wurde, kann unter diesem Link oder direkt hier eingesehen werden:
Bildung für die Zukunft: Die 4Cs als Schlüsselkompetenzen
Das „4K-Modell des Lernens“ („The 4Cs“) wurde im Rahmen der US-amerikanischen Partnership for 21st Century Learning entwickelt und formuliert überfachliche Kompetenzen, die in Arbeitsumgebungen des 21. Jahrhunderts als zentral eingeschätzt werden und als Grundlage für selbstgesteuertes Lernen dienen sollen. Die 4Cs bilden einen praxisnahen Orientierungsrahmen, um Kinder und Jugendliche auf eine zunehmend digitale und komplexe Welt vorzubereiten.
- Kommunikation: Die Fähigkeit, Gedanken klar zu vermitteln, Informationen aufzubereiten und verschiedene Ausdrucksformen zu nutzen – sowohl digital als auch analog. Digitale Tools wie gemeinsame Dokumente, Blogs oder Präsentationen können dies fördern, sofern sie bewusst eingesetzt werden.
- Kollaboration: Zusammenarbeit in Teams, konstruktive Konfliktlösung und gemeinsames Entscheiden. Gerade in virtuellen Projekten oder Online-Teams lernen Kinder, Verantwortung zu übernehmen und Ergebnisse gemeinsam zu erarbeiten.
- Kreativität: Problemlösungen entwickeln, innovative Ideen generieren und flexibel denken. Digitale Medien eröffnen vielfältige kreative Möglichkeiten, etwa durch Coding, Design oder Multimedia-Projekte – nutzen Kinder diese nur konsumierend, bleibt der Lerneffekt jedoch aus.
- Kritisches Denken: Informationen analysieren, Quellen hinterfragen, eigenständig urteilen. In Zeiten von KI und Chatbots ist dies entscheidend, um Antworten nicht blind zu übernehmen, sondern bewusst zu prüfen und weiterzuentwickeln.
Die Förderung der 4Cs wird unter anderem durch projektbasiertes Lernen (Project-Based Learning) oder Design Thinking praktisch umgesetzt: Schüler*innen arbeiten in Teams, entwickeln kreative Lösungen, kommunizieren ihre Ergebnisse und reflektieren ihre Vorgehensweise. Organisationen wie die OECD oder die UNESCO empfehlen, die 4Cs in Lehrpläne zu integrieren, damit Kinder nicht nur technisches Know-how erwerben, sondern auch die Fähigkeit zu eigenständigem, kritischem und kreativem Denken entwickeln.

Quellen und weiterführende Links:
- Robinson, K. (2011), Out of Our Minds: Learning to be Creative. Capstone Publishing. https://doi.org/10.1002/9780857086549
- Facione, P. A. (2015), Critical Thinking: What It is and Why It Counts. Insight Assessment: PDF
- OECD (2019), Skills for 2030: Link
- OECD (2023), The assessment of students‘ creative and critical thinking skills in higher education across OECD countries: A review of policies and related practices. OECD Publishing: Link
Wissen ohne Wert?
Eine weitere Antwort auf den Leserbrief geht noch einen Schritt weiter und kritisiert die tieferliegende gesellschaftliche Logik: Wissen werde heute vor allem nach seiner wirtschaftlichen Verwertbarkeit bemessen. Schon in der Schule dominierten Wettbewerb und Effizienzdenken, während Kreativität und emotionale Entwicklung ins Hintertreffen geraten.
KI, so das Argument, zwinge uns, diese Prioritäten zu überdenken. Wenn Maschinen Antworten liefern, liegt es an uns, sie kritisch zu hinterfragen – und nicht blind zu übernehmen. Das erfordert nicht weniger, sondern mehr geistige Autonomie.
Zwischen Abhängigkeit und Mündigkeit
Die Debatte zeigt: Die Frage ist nicht, ob KI unsere Denkfähigkeit untergräbt, sondern ob wir unsere Bildung, unsere Kultur und unsere Alltagsroutinen so gestalten, dass Denken nicht verlernt wird.
Technische Hilfsmittel sind kein Feind – aber ohne die Fähigkeit, ihre Ergebnisse einzuordnen, werden sie schnell zu Krücken, die uns das selbstständige Gehen verlernen lassen.
Gerade in der Schule und in der Jugendarbeit muss daher der Fokus darauf liegen, Fragen zu stellen, nicht nur Antworten zu finden. Denn wer nie gelernt hat, ohne KI zu denken, wird auch mit KI nicht wirklich verstehen.
Relevante Kinderrechte:
- ART 12 UN-KRK Achtung der Meinung von Kindern
- ART 29 UN-KRK Bestmögliche Bildung
- ART 13 UN-KRK Freie Meinung und Information
- ART 14 UN-KRK Gedanken und Religionsfreiheit;
Mehr zu den Kinderrechten: Die VN-Kinderrechtskonvention – einfach erklärt und im Wortlaut – Kinderrechte
Kleines Geheimnis am Rande
Fragen Sie sich, ob dieser Artikel mit ein wenig KI-Hilfe entstanden ist? Ehrliche Antwort: Ja – ChatGPT war unser Co-Autor. Basis waren der Artikel auf Der Standard, der Leserbrief von Thomas Plautz sowie weitere Online-Reaktionen. Zur Übersicht
- Prompt formulieren: 30 Minuten
- Umformulierung: 30 Minuten
- Studiencheck: 30 Minuten
- Recherche nach zusätzlichen Quellen & Integration: 60 Minuten
- 4-Augen-Check Inhouse (menschlich, versprochen!): 30 Minuten
- Finales Proofreading: 15 Minuten
- Bildsuche: 15 Minuten
- Veröffentlichung: 15 Minuten
Kurzum: KI macht vieles möglich – aber ohne menschlichen Feinschliff wäre das hier nur ein schön klingendes Wirrwarr.





