Es genügt nicht nur über den Regelbetrieb Schule zu diskutieren, sondern es bedarf auch der Orientierung an den Bedürfnissen der Kinder.

Die von der Regierung ausgerufen schrittweise Rückkehr zur „neuen Normalität“ orientiert sich an den wirtschaftlichen Aspekten (Grenzöffnung für deutsche Urlaubsgäste, Gastronomie etc.) und arbeitsrechtlichen Belangen (beispielsweise Abstände in Büros oder Schutz bestimmter Risikogruppen). Zweifellos sind dies für einen funktionierenden Staat sehr wichtige Bereiche. Er orientiert sich an den Befindlichkeiten derer, die ihre Interessen laut und gut vernetzt vertreten.

Wie oft in derartigen Abwägungen werden leise, nicht gut vertretene Gruppen auch in diesem Fall nur schnell überhört. Daher hier ein APPELL aus Sicht der Kinder (-rechte).

So sollten die nächsten „Schritte zur Normalität für Kinder“ von jetzt an aussehen:

Öffnung von Spielplätzen und Regelungen für die Nutzung

Die Regelungen sollten für Eltern einfach und verständlich formuliert, für Kinder kindgerecht dargestellt (etwa in Form von Piktogrammen) und ausgehängt werden. Kinder können Regeln verstehen und haben oft eine höhere Akzeptanz für die Einhaltung als ihre Eltern!

Schaffung von Verhaltensregelungen, die das reale Treffen mit anderen Kindern möglich machen

Hier gilt es auch die psychischen Belastungen für Kinder zu beachten, wenn sie Freund*innen nicht treffen können. Jüngere Kinder oder Kinder mit Behinderung haben oft nicht einmal die Möglichkeit auf digitale Medien auszuweichen.

Betonung der Privatsphäre

Wichtig ist es im realen wie im virtuellen Kontakt, die Privatsphäre der Kinder zu beachten! Kinder möchten sich auch mal mit Freund*innen austauschen, ohne dass die Ohren der Eltern an jedem Wort hängen. Diese Möglichkeit haben sie im normalen Schulalltag, derzeit aber so gut wie nicht.

Aktionsplan für eine positive Perspektive gerade in der Arbeit mit Kindern

Häufig wird der Eindruck vermittelt, dass gerade Kinder eine Gefahr als Virusüberträgerinnen darstellen. Sie könnten das Virus an Großeltern weitergeben, Lehrerinnen könnten sich in der Schule über sie infizieren. Hier entsteht eine große Belastung für die Kinder, die sie zusätzlich verunsichert. Wir Erwachsenen müssen Kindern gerade in dieser Situation aber Vertrauen, Zuversicht und Sicherheit vermitteln. Das kann man nicht verordnen, aber es sollte Bewusstsein dafür geschaffen werden. Hier müssen alle, die mit Kindern zu tun haben, selbst aktiv werden!

Es mag in kinderrelevanten Bereichen vorkommen, dass Regeln manchmal (un-)bewusst missachtet werden. Aber dies trifft auch auf Baumärkte, Supermärkte oder private Bereiche zu Hause zu (zum Beispiel Treffen im nicht-öffentlichen Raum), die Erwachsene gestalten. Erwachsene können sich jedoch eigenständig entscheiden, während Kinder in ihrem eigenen Aktionsradius derzeit enorm eingeengt sind.

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Über die Autorin/den Autor:

Thomas Plautz

MMag.

Thomas leitet das Kinderbüro. Er stellt sich oft die Frage, wie etwas aus Sicht der Kinder zu beurteilen ist. Er mag deren Spontanität und Ehrlichkeit und möchte die Zukunft so gestalten, dass sich Kinder in ihr wahrgenommen, geborgen und geschätzt fühlen. Diese Arbeit ist immer spannend und abwechslungsreich.

Komm, lass uns hüpfen, klettern und springen!