Das Recht der Kinder auf die „bestmögliche Entwicklung und Entfaltung“ steht in Österreich im Verfassungsrang und bezieht sich damit wohl unumstritten auch auf die Kinderbildung und -betreuung im Elementarbereich.

Stellungnahme zur Petition "Initiative für Elementare Bildung" 

Ausnahmesituationen, wie die derzeitige, zeigen der Gesellschaft immer eindrucksvoll die Engpässe und Schwachstellen in Systemen auf, die zuvor verborgen waren. So hat die Pandemie auch im Kinderbetreuungsbereich viele offene Fragen ans Licht gebracht und Initiativen, wie die oben genannte, bewirkt. Das Kinderbüro begrüßt generell einen polyprofessionellen Expert*innenaustausch bei kinderrelevanten Themen auf Augenhöhe und bringt seine Expertise aus der Sicht der Kinder, die bei derartigen Veranstaltungen zumeist nicht vertreten sind, gerne ein.

Welche Ansprüche haben Kinder an die Betreuungseinrichtungen?

Menschen und vor allem Kinder als soziale Wesen brauchen Gesellschaft und Austausch mit anderen. So wünschen sich Kinder die Gesellschaft von Gleichaltrigen. Im gemeinsamen Spiel und Tun lernen sie den Umgang mit anderen Kindern und erweitern ihre sozialen Fähigkeiten – und das auf Augenhöhe, mit Menschen, die in der Entwicklung in etwa gleich fortgeschritten sind und nicht alles besser können und wissen.

Kinder brauchen Sicherheit, die ihnen durch regelmäßige und wiederholte Abläufe vermittelt wird. Sie mögen es, wenn sie wissen, wo sie ihr Spielzeug oder andere Gegenstände finden. Sie halten sich gerne an Rituale zum Beispiel beim Begrüßen oder Essen.

Kinder brauchen Zeit. Der Kindergarten sollte ein Ort sein, wo die Uhren langsamer ticken. Kinder wollen spielerisch und in ihrem eigenen Tempo lernen, experimentieren, Dinge ausprobieren, Fehler machen und üben können. Sie sollten mit den Jahreszeiten leben und viel in die Natur gehen können.

Kinder wollen eine umfassende Begleitung. PädagogInnen sollten Zeit und Raum haben, um alle Kinder in einer Gruppe zu begleiten – diejenigen die ruhiger sind genauso wie jene, die lautstark auf sich aufmerksam machen. Sie sollten die Zeit haben, auf alle ihre Schützlinge zu achten und auf deren Bedürfnisse einzugehen. Sie sollten die Möglichkeiten haben, sich in Ruhe mit den Kindern auseinanderzusetzen, sie zum Forschen anzuregen, Dinge zu erklären, aber auch Grenzen zu setzen.

Kinder brauchen kompetente Erwachsene. Sie brauchen PädagogInnen, die ihr Verhalten ihrem Alter entsprechend einordnen und reflektieren können. Kinder müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Betreuerinnen erkennen und umsetzen, was sie in der jeweiligen Entwicklungsphase brauchen. Pädagoginnen müssen die Kinder in schwierigen oder belasteten Situationen unterstützen können. Sie sollten den Eltern adäquates Feedback über die Entwicklung und das Verhalten ihrer Kinder geben können.

Was wir als Kinderbüro – die Lobby für Menschen bis 14 entsprechend fordern:

  • Kindsein braucht Zeit, Entwicklung braucht Zeit und Betreuerinnen sollten die meiste Zeit damit verbringen, sich mit den Kindern zu beschäftigen! Eltern, Betreuerinnen in Kinderkrippe, Kindergarten und Schule sind Begleiterinnen der Kinder in ihrem Entwicklungsprozess, nicht Verwahrerinnen, nicht Erzieherinnen, sie sind Prozessbegleiterinnen und sollten sich als solche sehen (können).
  • Kindesentwicklung ist komplex, vielschichtig und ein Prozess. Es braucht eine Ausbildung, die diese Komponenten ausreichend berücksichtigt und eine multiprofessionelle Zusammenarbeit mit Fachexpertinnen in einem Netzwerk. Eltern und Betreuerinnen fördern gemeinsam die Entwicklung des Kindes und sollten sich über gemeinsame Ziele austauschen und abstimmen.
  • Kinder wollen gehört und in ihrem Rahmen beteiligt werden. Sie wollen Möglichkeiten bekommen sich zu entwickeln, aber auch entsprechend geschützt werden. Die Erwachsenen müssen diese Verantwortung übernehmen.

Das sind unseres Erachtens die Forderungen, mit denen wir in die Diskussion starten sollten. Wenn wir diese Dinge gut klären, werden sich Gruppengrößen sinnvoll anpassen und Ausbildungszeit, -inhalte und regelmäßige Weiterbildungen adäquat ergeben. Dann werden wir als Gesellschaft den Wert der „Entwicklungsbegleitung“ von Kindern erkennen und dieser wird sich nicht nur in einer wertschätzenden Haltung gegenüber, sondern auch im Gehalt von Pädgog*innen widerspiegeln.

Thomas Plautz, Doris Glössl und Sonja Buchegger, Kinderbüro – die Lobby für Menschen bis 14

Interessante Links zum Thema:

Hier geht es zur Petition "Initiative für Elementare Bildung:

Recht auf Bildung von Anfang an! Aufwertung der Elementarbildung! | mein #aufstehn

Erstellt am 20.05.2021

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