Beteiligung von Kindern ist in Österreich nicht nur „nice to have“, sondern ein gesetzlich verankertes „Must have“! Trotzdem werden Kinder in der Praxis oft weder nach ihrer Meinung gefragt, noch wird diese von Erwachsenen gehört. 

Unser kostenfreies Tool des „Kinderbeteiligungscheck für Gemeinden“ soll Personen auf allen Ebenen ermutigen, bei Notwendigkeit Kinder direkt in Entscheidungsfindungsprozesse einzubinden und ihre Meinung entsprechend zu berücksichtigen. Dabei gilt: Je „näher“ das Thema bei den Kindern ist, umso wichtiger ist ein Beteiligungsprozess und umso umfassender sollte er ablaufen.

Die Umsetzung kann dabei durch die Instanz selbst oder mit Unterstützung von Expert*innen durchgeführt werden. Unsere Best-Practice-Sammlung dient dabei als Inspiration und bietet gleichzeitig auch die Kontakte zu den jeweiligen Umsetzer*innen und Expert*innen.

Ziel ist es, die Beteiligung von Kindern in sie betreffenden Angelegenheiten in der Steiermark, aber auch drüber hinaus auf Gemeinde- und Landesebene zum Standard zu machen.

Die rechtlichen Grundlagen der Beteiligung von Kindern liegen in der UN-Kinderrechtekonvention und den nationalen Umsetzungsgesetzen. Besonders erwähnenswert sind dabei:

ART. 3 (1) UN-KRK: 

„Bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, gleich viel ob sie von öffentlichen oder privaten Einrichtungen der sozialen Fürsorge, Gerichten, Verwaltungsbehörden oder Gesetzgebungsorganen getroffen werden, ist das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen ist.“

ART. 12 UN-KRK: 

Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife.

(2) Zu diesem Zweck wird dem Kind insbesondere Gelegenheit gegeben, in allen das Kind berührenden Gerichts- oder Verwaltungsverfahren entweder unmittelbar oder durch einen Vertreter oder eine geeignete Stelle im Einklang mit den innerstaatlichen Verfahrensvorschriften gehört zu werden.

ART. 1 BVG Rechte von Kindern

„… Bei allen Kinder betreffenden Maßnahmen öffentlicher und privater Einrichtungen muss das Wohl des Kindes eine vorrangige Erwägung sein.“

ART 4 BVG Rechte von Kindern

„Jedes Kind hat das Recht auf angemessene Beteiligung und Berücksichtigung seiner Meinung in allen das Kind betreffenden Angelegenheiten, in einer seinem Alter und seiner Entwicklung entsprechenden Weise.“

Fragebogen "Kinderbeteiligungscheck für Gemeinden":



In diesen Gemeinden gibt es Beteiligungsprojekte:

ENGAGEMENT AUF IMMERDAR, Eisenerz
Mag. (FH) Bianca Klapfer
Status: laufend
Beim Projekt „Engagement auf immerdar“ werden Einwohner*innen von Eisenerz bei der Stadtentwicklung eingebunden. Bürgerbeteiligung fängt hier schon im Kindergarten an. In den Kindergärten Trofeng und Münichtal finden regelmäßig Kinderkonferenzen statt, wo Kinder zu Themen wie Stadtentwicklung und Umweltschutz ihre Meinung äußern können. Die 8- bis 12-Jährigen können im Kindergemeinderat eigene Projekte zu beschließen und umsetzen. Der Schwerpunkt Klimaschutz veranlasste die Kinder zur Projektidee, im Frühjahr 2023 Bäume in Eisenerz zu pflanzen.

DEINE IDEE - DEIN PROJEKT, Gratwein-Straßengel
Mag. Dr. Gernot Papst
Status: laufend
Die eigene Idee einbringen und dabei noch Gehör finden, genau das ermöglichen die Jugendsprechtage in Gratwein-Straßengel dreimal jährlich. Mit Hilfe von Jugendarbeiter*innen werden Kinder ab 10 Jahren im Jugendzentrum, im Park, im Schulhof oder ähnlichem ermutigt, ihre Ideen einzubringen. Eine eigene Jury entscheidet, welche Projekte umgesetzt werden. Das Resultat kann sich sehen lassen: Bereits über 50 Projekte (Filmprojekte, Sportgeräte im öffentlichen Raum, verschiedene Workshops, usw.) wurden bereits umgesetzt.

DEMOKRATIE DER ZUKUNFT, Judenburg
Renate Slama, GRin Tanja Dolotow, GR Philipp Steiner
Status: laufend
„Meine Idee wird erst genommen.“ Dieses Gefühl will Judenburg den Kindern in ihrer Gemeinde vermitteln. Auf spielerische Art lernen die Kinder im Kindergemeinderat so Verantwortung für die Zukunft ihrer Gemeinde zu übernehmen. Durch ihr verantwortungsvolles Wirken werden sie hier früh darauf vorbereitet, später einmal Funktionen für die Gemeinschaft zu übernehmen und als Vertretungsgremium ihrer Altersgruppe zu wirken.

KINDERGEMEINDERAT, Riegersburg
Mag.(FH) Elisabeth Friedl
Status: in Planung
Kinder zur Mitsprache und zur Mitarbeit mit Hilfe eines kindgerechten Formats einzuladen, setzt sich die Gemeinde Riegersburg zum Ziel. Ab März 2023 soll ein neuer Kindergemeinderat entstehen und so das Demokratieverständnis von Kindern gefördert werden. Mehr Mitsprache von Kindern in Prozessen der Gemeinde soll ihre Lebenswelt verstärkt in den Fokus setzen. So sollen mehr geeignete Angebote in der Umgebung umgesetzt werden können.

KINDERBETEILIGUNG FREIBAD, Trofaiach
Mag. Nicole Hüttenbrenner
Status: abgeschlossen
Im Freibad Trofaiach konnten die Kinder bei der Gestaltung der grauen Mauer mitentscheiden. Nach Abklärung der baulichen Möglichkeiten fand im Schwimmbad eine offene Befragung statt. Dabei konnten Kinder auswählen mit welchen Spielmöglichkeiten die Mauer gestaltet werden soll, damit sie nicht nur optisch verschönert wird, sondern eine attraktive Erweiterung des Kinderbereichs ist. Das Ergebnis der Befragung wurde bereits verwirklicht: Nun lädt die vormals graue Mauer zum bunten Spielen ein.

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