Wenn ich meinen Gedanken freien Lauf lasse, kreisen sie meist früher als später um das allgegenwärtige Pandemiethema – wie könnte es auch anders sein, wenn mein Arbeitsplatz immer noch mein Esstisch zu Hause, alle Kinderzimmer belegt sind und Videokonferenzen an allen Ecken und Enden stattfinden? Wie könnte man derzeit vergessen, dass einfach alles anders ist und das gefühlt schon so lange. Ab und an weiß ich gar nicht mehr, wie das eigentlich vorher war?

Ja, unbestritten ist derzeit alles anders, aber wie kann es uns gelingen, dennoch nicht zu verzagen und die Situation anzunehmen?

Kann es eine Lösung sein, sich den täglich einprasselnden Negativmeldungen zu entsagen und sich noch mehr in seine Blase zurückzuziehen? Für mich persönlich hilfreich sind Telefonate und Spaziergänge mit Freund*innen, bei denen ich mal ganz bewusst versuche, das Jammern über nicht veränderbare Dinge sein zu lassen. Aber es tut auch einfach zwischendurch gut, Frust abzulassen und zu hören, dass andere Leute mit ähnlichen Belastungen zu kämpfen haben.

Derzeit lassen sich keine Entscheidungen treffen, die sich in jeder Hinsicht positiv auswirken.

Natürlich verbringen auch meine Kinder derzeit mehr Zeit vor dem Bildschirm und damit ist nicht die „produktive“ Zeit während des Homeschoolings gemeint, das ja aufgrund der Gruppenteilungen in den Schulen noch andauert. Aber ich weiß, dass sich das wieder ändern wird. Ich werde, wenn wir wieder freier sind, wieder mehr andere Aktivitäten erlaubt sind, darauf achten, die Bildschirmzeit meiner Kinder wieder zu reduzieren. Derzeit aber haben sie Spaß und Kontakt zu anderen Kindern über Tablet und Co., das zählt für mich nun mehr als meine grundlegende Einstellung, dass die digitale Welt nur im Mindestmaß genossen werden sollte, solange es eine Wiese, ein Sportgerät oder Bastelzeug gibt. Außerdem verschaffen mir die digitalen Medien zwischendurch auch eine Verschnaufpause. Oder ein Zeitfenster, in dem ich selbst in Ruhe arbeiten oder etwas erledigen kann.

Wenn ich bei einer Runde Spazierengehen mit einer Freundin Kraft tanke, dann treffe ich jemanden, habe trotz Abstand halten einen Kontakt, was derzeit ja nicht unbedingt gefördert wird. Aber wenn ich das dringend brauche, um meinen Alltag zu bewältigen, dann ist das positiv für mich und in weiterer Folge dann auch für meine Familie.

Wenn Schularbeiten oder Tests meiner Kinder vorzubereiten sind und ich an die Zeit vor Corona denke, wo manchmal sechs Kinder in unserem Wohnzimmer saßen und gemeinsam gelernt haben, dann frage ich mich manchmal auch, sollte ich nicht mal das Ansteckungsrisiko hintenanstellen und meinem Sohn den Besuch eines Klassenkameraden erlauben, damit sie gemeinsam die Mathebeispiele durcharbeiten können? Wir entscheiden uns für die Online-Gemeinsam-Lernen-Variante, aber es tut mir leid für mein Kind, und ich sehe Enttäuschung in seinem Gesicht. Derzeit sind Entscheidungen schwieriger als je zuvor. Derzeit ist es schwieriger als je zuvor mit den Folgen einer Entscheidung umzugehen. Denn die sind selten ideal.

Danke, an alle die auf die Kinder schauen!

Es ist auch mal an der Zeit, den Pädagog*innen, die unsere Kinder und Jugendlichen in dieser Zeit großartig unterstützen, zu danken. Anstatt alle über einen Kamm zu scheren und zu lamentieren, warum das oder jenes nicht gefordert oder an Stoff durchgebracht wird, lohnt es sich durchaus, sich auf die zu konzentrieren, die um das Kindeswohl bemüht sind und sich alles Mögliche einfallen lassen, um den Draht zu den Kindern und Jugendlichen nicht zu verlieren.

Ob das eine überaus engagierte Volksschullehrerin ist, die meiner Tochter täglich Videogrußbotschaften schickt und immer motivierende Worte findet. Oder Lehrer*innen, die meinen beiden Gymnasiasten virtuell auf die Schulter klopfen, sie ermutigen und ihnen vermitteln, dass sie Großartiges leisten. Auch diejenigen Pädagog*innen, die ehrlich zu den Kids sind und ihnen vermitteln, dass es auch für sie schwierig und herausfordernd ist und man auch mal Nachsicht walten lässt, wenn zum Beispiel der Computer zu spät hochgefahren wurde – das große Ganze soll derzeit nicht aus den Augen verloren werden.

Derzeit gibt es wenig Idealzustände, kaum etwas ist perfekt. Kaum eine Entscheidung, die wir treffen, die nicht mit „Kosten“ verbunden ist. Wir können nur abwägen, gradwandern, seiltanzen. Unserem Perfektionismus abschwören. Teilziele anvisieren. Und Aufmerksamkeit darauf legen, was trotz allem gelingt.

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Über die Autorin/den Autor:

Martha Buchegger

Mag.a

Martha fragt sich oft, wie sie als Kind mit dieser oder jener Situation umgegangen wäre und findet, dass Kindern teilweise ziemlich viel abverlangt wird. Vielleicht versucht sie deshalb, meist gelassen und entspannt an Dinge heranzugehen.

Lass' deine Füße baumeln.