von Kerstin Baumgartner

Sie tragen sie jeden Tag in die Schule und wieder nach Hause, die schweren Lasten hängen auf ihren Schultern – die Rede ist von meist viel zu schweren Schultaschen. Doch wie schwer darf eine Schultasche eigentlich sein? Welche Auswirkungen hat eine zu schwere Schultasche auf ein Kind? Worauf sollte man beim Kauf achten?

Eine leere Schultasche darf laut AUVA nicht mehr als 1,2 Kilogramm wiegen. Vollständig gepackt sollte das Gewicht des Schulranzens nicht mehr als 12 Prozent des Körpergewichts des Kindes ausmachen. Das bedeutet für ein 6-jähriges Kind, das etwa 20 Kilogramm wiegt, dass seine Schultasche nicht mehr als 2,4 Kilogramm wiegen sollte. Mit 10 Jahren wiegen Kinder rund 30 Kilogramm, was eine maximale Traglast von rund 3,6 Kilogramm bedeutet. Leider werden diese Richtwerte im Schulalltag oft nicht eingehalten - mit drastischen Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder.

Wie macht sich eine zu schwere Schultasche beim Schulkind bemerkbar?

Eine zu schwere Schultasche macht sich bei Schulkindern in der Haltung und durch körperliche Beschwerden bemerkbar. Es kommt zu einer Schwerpunktverlagerung des Körpers durch das Gewicht des Schulranzens. Um dem entgegenzuwirken, lagert der Körper den Schultergürtel vor. Dadurch verkürzt sich die Schrittlänge, zugleich erhöht sich die Schrittfrequenz. Die Unterstützungsphase beim Gehen selbst wird so reduziert. Das einseitige Tragen der Tasche veranlasst eine Seitneigung der Wirbelsäule und es kommt durch all diese Fehlhaltungen zu Haltungsveränderungen im Bereich der Kopf- und Schultergürtelhaltung. Zusätzlich können Rückenschmerzen auftreten, auch wenn Kinder diese durch das individuelle Schmerzempfinden nicht immer aktiv wahrnehmen. Die Mehrbelastung im Bereich des oberen Sprunggelenks, Knie- und Hüftgelenks kann zu Gelenkschäden führen. Bei einem Schulranzengewicht von 20-30 Prozent des eigenen Körpergewichts sind auch Einschränkungen des Lungenvolumens nicht auszuschließen.

Was kann man gegen zu schwere Schultaschen tun?

Zuerst müssen alle Beteiligten auf das Problem aufmerksam gemacht werden und ein Bewusstsein dafür entwickeln. Ein wichtiger Schritt ist die Sensibilisierung von Schulkindern selbst, Eltern bzw. Erziehungsberechtigten und Lehrpersonen. Durch die Sensibilisierung der Schüler*innen selbst sollen sie darauf verzichten, Spielzeug in die Schule mitzunehmen, um Gewicht zu reduzieren. Erwachsene  sollten Kinder keine unnötigen Dinge in die Schule mitnehmen zu lassen oder das Mitnehmen zumindest einschränken. Dabei kann ruhig gemeinsam mit dem Kind abgeklärt werden, welche Gegenstände wichtig sind und auf welche es in der Schule verzichten kann. Zusätzlich sollten Hinweise auf etwaige negative gesundheitliche Auswirkungen von zu schweren Schultaschen im Rahmen des Unterrichts bzw. bei Unterrichtsprojekten und bei Elternabenden Thema sein. Auch die Zusammenarbeit mit Schulärzt*innen und Erziehungsberechtigten bei vermuteten Haltungsschäden bei Kindern ist besonders wichtig, um bleibenden Schäden entgegenzuwirken und sich in professionelle, fachmedizinische Unterstützung zu holen.

Die richtige Schultasche zu finden ist nicht leicht

Damit all diese Beschwerden gar nicht erst auftreten, ist der erste wichtige Schritt der Kauf einer guten Schultasche. Die Schultasche darf, wie bereits beschrieben, im leeren Zustand nicht mehr als 1,2 Kilogramm wiegen. Die angeführte Checkliste soll als Hilfe dienen, um zu wissen, worauf man beim Kauf achten sollte:

  • Schultasche hat folgende Kennzeichen: geprüft nach ÖNORM 2170, geprüft nach DIN 58124, GS-Zeichen ist vorhanden
  • Größe der Schultasche sollte zur Größe des Kindes passen
  • Tasche soll nicht über die Körperkontur des Kindes hinausragen
  • gute Rückenpolsterung,
  • ergonomisch geschwungene, gepolsterte und verstellbare Gurte
  • stabile Verarbeitung
  • Bewegungsfreiheit gegeben
  • an der Vorderseite, an den Seitenflächen und an den Trageriemen ist die Schultasche mit reflektierendem und fluoreszierendem Material ausgestattet
  • Trageriemen sollten stufenlos verstellbar und mindestens 4 cm breit sein
  • Haltegriff der Tasche sollte mindestens 80 mm lang sein
  • Brust- und Hüftgurt sind vorhanden und verstellbar
  • Steckfächer für die Trinkflasche außen
  • Fach für schwere Bücher an der Rückenseite
  • Schwerpunkt der Schultasche am Rücken (Fächer sollten danach ausgerichtet sein)
  • eventueller Regenschutz (Hülle)
  • geprüfte Schadstoffbelastung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es natürlich am besten ist, schwere Lasten im Schulranzen zu vermeiden und auf die oben angeführte Checkliste zu achten, damit es zu keinen körperlichen Beschwerden der Kinder kommt.

Literatur:

Servicestelle für Gesundheitsförderung an Österreichs Schulen (2021). Die Schultasche. Verfügbar unter: https://www.give.or.at/angebote/themen/die-schultasche/ [04.05.2021]

Tausendkind (2017). Ratgeber zum Schulranzen-Kauf. Verfügbar unter: https://www.tausendkind.at/magazin/wissenswertes/hilfreiches/ratgeber-schulranzen#schulranzen_fur_erstklassler_worauf_muss_geachtet_werden [04.05.2021]

AUVA (2016). Wie schwer darf eine Schultasche sein? Verfügbar unter: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160912_OTS0039/auva-wie-schwer-darf-eine-schultasche-sein [04.05.2021]

Schobesberger, C. (2006). Schwere Schultaschen: Schwere Folgen. Verfügbar unter: https://www.meinegesundheit.at/cdscontent/?contentid=10007.688609 [04.05.2021]

Dordel, S. [u. a.] (2007). Schulranzen-TÜV: Eine Studie zum Trageverhalten und zum Gewicht der Schulranzen von Grundschulkindern. Verfügbar unter: https://www.agr-ev.de/de/download/deutsch/material-mediziner-a-therapeuten/anlagen-zum-newsletter/anlagen-zum-news-letter-39/65-eine-studie-zum-trageverhalten-und-zum-gewicht-der-schulranzen/file?force-download=1 [04.05.2021]

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