Die verstörenden Bilder der vor allem für Kinder katastrophalen Lage in Moria lassen sich in keinster Weise mit den Idealen der europäischen Gemeinschaft in Einklang bringen. Die end- und ergebnislosen Diskussionen zu diesen Themen zeigen die Schwächen und Risse in Europa deutlich auf.

Hier ein paar Gedanken zur Lage in Moria und einem möglichen Lösungsansatz vor allem für die Kinder: Schnelle Hilfe vor Ort soll Europa die Zeit geben, die grundlegenden Fragen hinter der Problemlage angemessen zu lösen.

Wofür stehen wir Europäer_innen?

„Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, …“ ist auf der Homepage des österreichischen Parlaments zu lesen und sollte unter jedem Bild aus Moria abgedruckt werden. Keine Familie verlässt ihre Heimat leichtfertig, keine Familie schickt ihre Kinder auf eine lebensgefährliche Reise, um das System in Europa auszunutzen! Die meisten Flüchtenden sehnen sich nach Sicherheit, Freiheit und einer Chance, ihren Kindern eine bessere Zukunft aufzubauen. Perspektiven, die mir, und wahrscheinlich auch Ihnen, zum Glück in die Wiege gelegt wurden.

Warum müssen wir ein besonderes Augenmerk auf Kinder legen?

Nicht nur die UN-Kinderrechtekonvention erkennt die besondere Schutzwürdigkeit der Kinder an. Kinder stellen auch die Zukunft von uns allen dar! Sie werden es sein, die bereits in wenigen Jahren die Werte und Grundsätze unserer Gemeinschaft prägen. Sie werden es sein, die dann entscheiden- hoffentlich geprägt von Werten die Sie und mich würdevoll altern lassen werden!

Wohin führt der Weg diese Menschen, diese Kinder ihrem Schicksal zu überlassen?

Psychische und physische Belastungen aufgrund ihrer Erfahrungen werden Kinder und Erwachsene in Moria ihr Leben lang begleiten. Aber der Weg, ob und wie wir ihnen helfen kann sie entscheidend prägen. Können wir ihnen zeigen, dass Werte wie Würde, Respekt und Toleranz auch wirklich gelebt werden? Oder lassen wir sie sehenden Auges verzweifelt und enttäuscht in die Hände von Hetzer_innen laufen, die ihnen dann leicht erklären können, diese, unsere Werte „nur leere Versprechungen“ und „verachtenswert“ seien? Sehr leicht ist es dann diesen Kindern einen „anderen, radikalen“ Weg zu zeigen um „glücklich“ zu werden. Angesicht der Verzweiflung und Perspektivenlosigkeit werden sie ihn gehen. Wollen wir das zulassen?

Rechtsstaatlichkeit und Hilfe sind vereinbar!

Ein Verweis auf rechtsstaatliche Prinzipien und ordentliche Verfahren ist legitim, soll aber nicht dazu führen, dass Passivität und Schuldzuweisungen an andere uns von einem aktiven Handeln abhalten.

Wir, Sie und ich, Österreich und Europa, können in der aktuellen Lage proaktiv den Krisenregionen und der ganzen Welt zeigen, wie wertvoll Würde, Toleranz, Respekt und Demokratie sind! Daher rufe ich, und Sie hoffentlich mit mir, zu einer „Leistungsschau der Menschlichkeit“ auf:

Angelehnt an das Österreichhaus bei sportlichen Großereignissen sollte jedes Land in Moria ein „nationales Haus“ betreiben, in dem eine respektable Anzahl von Schutzsuchenden menschenwürdig versorgt wird. Während einer zeitnahen Abwicklung der Asylverfahren sollten dort vor allem Kindern Bildung und damit eine Perspektive für ihre Zukunft ermöglicht werden.

Wir, Sie, ich und Österreich können uns das leisten. Und vielleicht werden ja wir dann auch einmal wieder „Weltmeister_innen“. Weltmeister_innen der Menschlichkeit!

Erstellt am 25.09.2020

Links zum Thema:

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Über die Autorin/den Autor:

Thomas Plautz

MMag.

Thomas leitet das Kinderbüro. Er stellt sich oft die Frage, wie etwas aus Sicht der Kinder zu beurteilen ist. Er mag deren Spontanität und Ehrlichkeit und möchte die Zukunft so gestalten, dass sich Kinder in ihr wahrgenommen, geborgen und geschätzt fühlen. Diese Arbeit ist immer spannend und abwechslungsreich.

Nimm' dir Zeit zum Spielen.