Stellen Sie sich vor, das Verkehrsnetz besteht aus maximal zweispurigen Straßen, mit Radwegen – und Gehwegen von mindestens 2 Meter 50 Breite! Diese fungieren nicht temporär als Parkplatz für Anlieferungen, nicht als Stellplatz für Mülltonnen und sind nicht mit Verkehrsschildern zugepflastert. Daneben wachsen Sträucher und  Bäume, die angenehmen Halbschatten bieten.  Auf den Gehwegen tummeln sich jüngere und ältere BürgerInnen,  mit und ohne fahrbaren Untersatz,  ohne sich auf die Füße zu rollen bzw. zu steigen. Auch Menschen mit Kinderwägen und Menschen im Rollstuhl kommen leicht voran. Geregelte Kreuzungen und Zebrastreifen ermöglichen akustische und taktile Hilfen und somit eine sichere Straßen-Überquerung für alle StadtbewohnerInnen. Intelligente Leitsysteme regeln das Tempo der GehwegbenützerInnen mit Grünphasen an den Ampeln. Unterschiedliche Pflanzen, vielfältige Rampen-  und Stufensysteme sowie Brunnen und Wasserspiele wecken an bestimmten Streckenabschnitten die Neugierde der Kinder.

Was wir uns wünschen?  Ein intelligentes und barrierefreies, kinder- und familienfreundliches Wegenetz für die Stadt! Und Gehwege, die rein zum Gehen, Promenieren und Rollen da sind, aber auch immer wieder die Sinne von Kindern anregen!

 

Mobilitätsräume für Kinder im Stadtraum

Streifräume sind für Kinder wichtig

Laut der noch immer aktuellen Studie der Psychologin Martha Muchow über den Lebensraum des Großstadtkindes umfasst der Aktionsraum  von selbständig mobilen Vorschulkindern 150 Meter, im Alter von 14 Jahren beträgt dieser durchschnittlich elf  Kilometer. Streifräume — das sind Entdeckungsräume auf nicht definierten Wegen von Kindern zum Beispiel auf ihrem Nachhauseweg von der Schule — sind  für  Kinder  wichtig, da sie in diesen  Räumen  selbst  die Welt entdecken und erforschen und dabei wichtige Fähigkeiten für das räumliche Vorstellungsvermögen erwerben.

 

Erhöhte Aktivität macht sicherer

Gehen die Streifräume für Kinder verloren, kommt es zu einer Verinselung ihrer Räume. Die Verinselung der Freizeiträume von Kindern führt dazu, dass Kinder weniger am öffentlichen Leben  teilnehmen, in ihrer Kommunikation mit anderen eingeschränkt werden und keine ungeplanten Kontakte in der Stadt erleben. Stattdessen werden sie mit dem Auto von einem Ort zum anderen gebracht und treffen eher auf eine geplante Gruppe von Menschen. Durch die sinkende Bewegungsaktivität sammeln Mädchen und Buben weniger Erfahrung mit Gefahrensituationen im Straßenverkehr und sind damit unsicherer und unfallgefährdeter.

 

Selbstständige Bewegung fördern

Ein kindergerechtes Wegenetz wirkt der Verinselung einzelner Orte entgegen und fördert die selbstständige Bewegung von Kindern sowie das freie Spiel in ihren Streifräumen. Dafür ist es notwendig, ein Netz aus verkehrsberuhigten Zonen, Gehwegen und sicheren Hauptverkehrsstraßen aufzubauen, das die wichtigsten Orte für Kinder in der Stadt (Wohnraum, Schule, Nahversorgung, Freizeiträume, Grünraum) verbindet.

 

Das Ziel eines Kinderwegenetzes ist es, dass sich die Frequenz der Kinder, die selbständig im Straßenraum unterwegs sind, wieder nachhaltig erhöht. Somit fällt es Eltern wieder leichter, es zuzulassen, dass ihre Kinder selbständig im städtischen Wegenetz unterwegs sind.

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Über die Autorin/den Autor:

Katja Hausleitner

DIin

Katja ist in der Welt der Architektur zuhause und sieht sich als „Raumverhandlerin“ für Kinder. Sie setzt sich dafür ein, dass die Bedürfnisse der Kinder in Systemen, die ihr Lebensumfeld betreffen, berücksichtigt werden.

Kinder sollten sich selbstständig in der Stadt bewegen können!