Zurzeit läuft durch die aktuelle Corona-Krise alles anders, soviel steht fest. Ich mache mir seit einiger Zeit Gedanken darüber, was mit unseren Kindern während dieser Krise passiert. Nachfolgend habe ich ein paar Punkte aufgeschrieben.

Grundbedürfnisse von Kindern

Dem Grundbedürfnis von Kindern nach entwicklungsgerechten Erfahrungen und dem nach der stabilen, unterstützenden Gemeinschaft kann nicht mehr nachgekommen werden.

Entwicklungsgerechte Erfahrungen gibt es viele, vor allem zählen dabei aber auch Erfahrungen in der Kindergruppe dazu. In der Kindergruppe wird gespielt (= gelernt), gelacht, gelebt, “gerankerlt” und noch ganz viel mehr, was zu einer gesunden Entwicklung im Kindesalter beiträgt. Diese Kindergruppe können wir Erwachsene nie ersetzen, das steht fest, auch dass sämtliche Erfahrungen dadurch momentan flachfallen.

Das zweite Grundbedürfnis nach der stabilen, unterstützenden Gemeinschaft fällt auch weg. Die Gemeinschaft wird reduziert auf die Familie und deren engste Mitglieder. Viele fallen hier durch den Rost, die doch so wichtig für eine gesunde Entwicklung unserer Kinder sind. Allen voran die Großeltern, sämtliche Onkeln und Tanten, aber auch andere Bezugspersonen sind nun einfach nicht mehr vorhanden, und all das, was Kinder dort erlebt, gesehen oder gelernt hätten, gibts nicht mehr.

Gerald Hüther spricht in einer youtube-Botschaft, in der er erklärt was momentan mit Kindern und deren Bedürfnisse passiert, davon, dass sich Bahnen im Gehirn neu bilden und somit die Bedürfnisse überdeckt werden. Wenn Bedürfnisse überdeckt werden, geht die Lebendigkeit verloren. Das bedeutet, dass Kinder Maschinen immer ähnlicher werden. Ihre Individualität tritt dadurch immer mehr in den Hintergrund. Eigentlich dachte ich, die neue Entwicklung in der Pädagogik geht dahin, dass Kinder immer mehr so sein können, wie sie sind, dass wir sie weniger verbiegen, damit sie ihre eigenen Potenziale wieder mehr ausschöpfen können und dass sie selbst an sich glauben.



Das Recht auf Bildung

Ein weiterer Punkt, den ich nicht außer Acht lassen möchte, ist das Recht auf Bildung. Bei uns in Österreich gehen wir davon aus, dass jedes Kind Bildung erhält. Bildung ist ein Menschenrecht!

In Österreich haben Kinder das Recht, unterrichtet zu werden. Bildung ist wichtig für ein selbstbestimmtes Leben. Alle Kinder haben das Recht auf Bildung, egal welcher Religion sie angehören, welche Hautfarbe oder welches Geschlecht sie haben, ob sie behindert sind, oder ob ihre Eltern arm oder reich sind. Das Recht auf Bildung steht in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. Darin sind alle Rechte aufgeschrieben, die Kinder auf der ganzen Welt haben.

Nun sollen Kinder ihre Bildungs- und Betreuungseinrichtung nicht mehr besuchen. Ich stelle es vielleicht ein bisschen überspitzt dar, aber es wird ihnen das Menschenrecht auf Bildung zum aktuellen Zeitpunkt genommen. Ein Versuch über Distance Learning wird unternommen, der für mich allerdings sehr fragwürdige Auswirkungen in vielen Bereichen hat. Eltern, die keine didaktische Ausbildung haben, sollen ihr eigenes Kind unterrichten und den Lehrplan der Schule gerecht werden. Eine totale Verschiebung der Rollen findet statt. Mütter und Väter werden zu Lehrerinnen und Lehrern. Für die Eltern – Kind – Beziehung ist das nicht förderlich, das kann ich auch aus eigener Erfahrung berichten. Weiters klafft die „Schere“ immer mehr auseinander und Lehrpersonen werden in irgendeiner Art und Weise “Feuerlöscher” spielen müssen, um Kinder wieder auf ein ähnliches Level zu bekommen. Oder aber wir könnten die Situation nutzen, um Bildung NEU zu denken, das würde mir persönlich gut gefallen.

Was möchte ich eigentlich? Nun, ganz ehrlich, ich weiß es auch noch nicht… Einerseits möchte ich mich zum Thema Corona und Kinder äußern. Andererseits steht fest, dass wir Erwachsene, Kinder und ihre Bedürfnisse gerade so richtig übergehen. So wie wir „Großen” das schon Jahrtausende lang gemacht haben. Wenn man sich kurz die Geschichte der Kindheit anschaut, dann weiß man, dass sie erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts überhaupt erforscht wurde, allein das zeigt mir, wie wenig wert Kinder sind. Es gab vor Corona eine Zeit, da sah es danach aus, als würde man Kinder endlich wirklich SEHEN, doch leider dauerte dies nicht lange an.

Ich wünsche mir, sprecht mit den Kindern, beschäftigt euch mit ihren Bedürfnissen und steht für sie ein. Sie allein können es nicht, sie brauchen UNS.

Dieser Beitrag wurde am 24. Jänner 2021 auf Blog – Katrin Berkenhoff (katrin-berkenhoff.at) veröffentlicht uns dankenswerter Weise von Katrin Berkenhoff auch für unseren Blog zur Verfügung gestellt.

Quellen bzw. interessante Links:

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Über die Autorin/den Autor:

Katrin Berkenhoff

 

Katrin ist Kindergarten-, Hort- und Outdoorpädagogin. Geprägt haben sie unter anderem ihre beiden Kinder und ihre unbeschwerte Kindheit, die sie großteils in der Natur verbringen durfte.

Auf die Kinder schauen!