Wir freuen uns der Kinderdrehscheibe zum 25. Geburtstag zu gratulieren und haben aus diesem Anlass Cordula Schlamadinger, die Leiterin der Kinderdrehscheibe zum Interview gebeten.

Liebe Cordula, was sind denn so eure Aufgaben in der Kinderdrehscheibe?

Unsere wichtigste Aufgabe, die auch vor 25 Jahren der Anlass unserer Gründung war, ist es, Familien und da vor allem Frauen im beruflichen Wiedereinstieg zu unterstützen und ihnen bei der Suche nach einer geregelten Kinderbetreuung zur Seite zu stehen. Ursprünglich war unsere Tätigkeit auf Initiative der Stadt Graz und dem AMS Steiermark hin, vorwiegend auf Graz beschränkt. Sehr schnell wurde unser Angebot dann in weiterer Folge auf Graz-Umgebung und die gesamte Steiermark ausgeweitet.

Mittlerweile verfügen wir über Datenbanken aller Kinderbildungs- und betreuungseinrichtungen, Kurzzeitbetreuungen, Spielgruppen sowie aller Tageseltern in der Steiermark. Damit unterstützen wir Frauen und Familien dabei, mit einem „guten Gewissen“ ihren Kindern gegenüber ihrem Beruf nachzugehen und die Kinder gut und liebevoll betreut zu wissen.

Es geht aber nicht nur um das Finden von Betreuungsplätzen, sondern sehr stark auch um viele andere Informationen rund um das Thema Kinderbetreuung, wie Eingewöhnung, was mache ich, wenn mein Kind krank ist, welche Förderungen sind möglich, um Kinderbetreuung leistbar zu machen u.v.m. Daher referieren wir bei Informationsveranstaltungen und Workshops in allen Regionen zu diesem Thema und tragen beim AK „InfofrühstückFamilieBeruf“ vor.

Das Team der Kinderdrehscheibe mit Sitz im Karmeliterhof Graz
Foto © Kinderdrehscheibe

Apropos „Familienfrühstück“: Ist es immer noch so, dass Kinderbetreuung vorwiegend als „Frauenthema“ gesehen wird, oder nehmen auch schon vermehrt Väter sich diesem Thema an?

In unserer Kerntätigkeit ist natürlich auch aufgrund unserer Zusammenarbeit mit dem AMS (Thema Wiedereinsteigerinnen) der Frauenanteil sehr hoch, aber gerade bei den Familienfrühstücken sehen wir in den letzten Jahren immer mehr Männer, die daran teilnehmen und sich aktiv mit Fragen an die Vortragenden (AK, AMS und Kinderdrehscheibe) beteiligen und einbringen. Insofern ist hier schon eine positive Veränderung ersichtlich.

Du hast die Regionalität angesprochen, da kommt mir als Kinderbüro die Frage in den Sinn, gibt es in der Steiermark regionale Unterschiede in der Abdeckung mit Kinderbetreuungsplätzen und wo liegen Herausforderungen für die jeweiligen Regionen?

Die Gemeinden stehen sehr stark hinter dem Thema Kinderbetreuung, es gibt keine Gemeinde, die im Bereich der 3-6-jährigen Kinder keine Betreuung anbietet. Die Herausforderungen für die Eltern liegen da eher in Bezug auf Tagesöffnungszeiten und in Ferienzeiten. Allerdings muss festgehalten werden, dass gerade im ländlichen Bereich der tatsächliche Bedarf oft überschaubar ist. Wir stellen immer wieder fest, dass sehr oft das familiäre und gemeinschaftliche Umfeld in den Regionen noch sehr stark ausgeprägt ist und Betreuung oft im privaten Umfeld abgedeckt wird. In Ballungsräumen wie Graz, Graz-Umgebung oder anderen größeren Stadtgemeinden sieht das ganz anders aus. Hier ist der Bedarf enorm und auch wenn laufend Plätze ausgebaut und Einrichtungen eröffnet werden, ist es oft herausfordernd, eine passende Kinderbetreuung zu finden.

Beim Thema „passend“ stellt sich mir aus Sicht der Kinder(rechte) natürlich die Frage: „Erhebt ihr rein das Angebot, oder achtet ihr auch auf Qualitätsmerkmale der Einrichtungen?“

In erster Linie geht es bei uns natürlich um Angebot und Nachfrage. Da ich aber auch 18 Jahre selbst als Kindergartenpädagogin tätig war und mir die Kinder und ihre Entwicklung ein großes Anliegen sind, beobachte ich natürlich auch das inhaltliche Geschehen. Man kann hier feststellen, dass gerade in den letzten Zeiten mit der Pandemie die Kinder mehr ins Hintertreffen geraten sind. Seit meiner aktiven Zeit als Pädagogin hat sich zwar viel verbessert (ich habe noch in Zeiten gearbeitet, in denen eine bezahlte Vorbereitungszeit eine Kernforderung war), aber die jetzige Situation verlangt auch nach langfristigen Lösungen. Der Personalmangel wird sich nicht von heute auf morgen beheben lassen, und daran sind natürlich auch viele qualitative Inhalte gebunden. Auch der Verwaltungsaufwand wurde mit den Jahren immer mehr. Das ist wertvolle Zeit, die dann in der persönlichen Arbeit mit den Kindern zu kurz kommt.

Generell ist es wichtig, dass man den Beruf der Kindergartenpädagog_in mit Freude und von ganzem Herzen ausübt, dann sind viele Belastungen leichter zu managen, man ist resilienter und das wirkt sich auch positiv auf die Kinder aus. Viele meiner ehemaligen Kolleginnen oder ehemaligen Schulkolleginnen finden nach wie vor sehr viel Erfüllung und Freude in ihrer Tätigkeit, haben eine gewisse Gelassenheit entwickelt und können diese Haltung an Schüler_innen oder junge Kolleg_innen weitergeben. Dadurch gewinnen die Kinder, aber auch deren Eltern. In jedem Berufsfeld, in dem mit Menschen jeglichen Alters gearbeitet wird, ist Hingabe und Freude an der Tätigkeit Grundvoraussetzung, um glücklich zu sein. Diese Freude wird umso mehr durch Wertschätzung der Öffentlichkeit aber auch finanzieller Abgeltung verstärkt.

Du sprichst hier auch den Stellenwert der Kinderbetreuung an, welchen hat diese für Eltern, Kinder, Gemeinden und Regionen?

Der Stellenwert der Kinderbetreuung für Eltern ist enorm hoch, wenn sie ihre Kinder gut und liebevoll betreut wissen, läuft auch alles andere besser und sie sind zufriedener. Es gibt Kinder, die entwickeln sich gerade deshalb sehr gut und resilient, weil sie in einer institutionellen Einrichtung betreut werden. Oft gerade dann, wenn das private Umfeld aufgrund unterschiedlichster Umstände „belastet“ ist.

Auch für die Gemeinden und Regionen ist die Kinderbetreuung wichtig. Den Spruch: „Um ein Kind zu erziehen braucht es ein ganzes Dorf“, kennen nahezu alle. Früher waren viele Personen in die Erziehung und das Aufwachsen eines Kindes involviert (Eltern, Großeltern, andere Verwandte, Personen die bspw. an Bauernhöfen gearbeitet und gelebt haben). In der heutigen Zeit sind die institutionelle Kinderbetreuung und die dort arbeitenden Personen, aber auch die Betreuung durch Tageseltern ein ganz wichtiger Teil dieses Dorfes. Für viele Familien aber auch Organisationen ist auch die Kinderdrehscheibe ein Teil dieses Dorfes geworden.

Gibt es anschließend zu unserem Gespräch noch etwas, das dir beim Thema Kinder-Familie-Kinderbetreuung-Kinderdrehscheibe wichtig ist, jetzt oder für die Zukunft?

Darüber gäbe es noch viel zu sagen, für mich persönlich ist essentiell, dass Eltern, aber auch pädagogisches Personal Kindern gerade in jungen Jahren „Wurzeln geben“ und eine gute Bindung zu den Kindern aufbauen. Dann können die Kinder später ihre Flügel ausbreiten.

Für die Kinderbetreuung finde ich wichtig, dass es eine Wahlfreiheit gibt, damit jede Familie nach ihren individuellen Bedürfnissen entscheiden kann.

Im Elternbereich sehe ich einen großen Bedarf an Elternbildung, damit Erziehungsberechtige gut informiert und möglichst nicht überfordert sind. Wir stärken so ihr Vertrauen ins eigene Tun und vermitteln Eltern in vielen unterschiedlichen Themenbereichen Sicherheit. Das kommt am Ende immer vor allem den Kindern zugute.
Als Kinderdrehscheibe ist es uns wichtig, mit allen gut im Gespräch zu bleiben, niederschwellig Informationen und Angebote zur Verfügung zu stellen und all unseren Kund_innen gleichwertig, unvoreingenommen und offen zu begegnen. Das zeichnet meine Mitarbeiterinnen und mich aus!

Ich danke dir für das Gespräch!


Cordula Schlamadinger ist seit 2014 Leiterin der Kinderdrehscheibe. Sie arbeitete selbst 18 Jahre lang als Kindergartenpädagogin und ist bereits über 20 Jahre bei der Volkshilfe tätig.

Infos und Links:

  • Einmal jährlich erscheint die Broschüre »Platz? Da! Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen Steiermark«, die einen Überblick über alle Kinderbildungs- und Betreuungsmöglichkeiten und eine Auswahl an Ferienbetreuungsangeboten bietet.
  • Alle Infos samt Kinder- und Ferienbetreuungsdatenbank finden Sie auch auf der Website: Kinderdrehscheibe Steiermark

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Über die Autorin/den Autor:

Thomas Plautz

MMag.

Thomas leitet das Kinderbüro. Er stellt sich oft die Frage, wie etwas aus Sicht der Kinder zu beurteilen ist. Er mag deren Spontanität und Ehrlichkeit und möchte die Zukunft so gestalten, dass sich Kinder in ihr wahrgenommen, geborgen und geschätzt fühlen. Diese Arbeit ist immer spannend und abwechslungsreich.

Man muss mit Erwachsenen Geduld haben. Oft dauert es, bis sie etwas verstehen.